Ramadi, Innenstadt

Die Autobahn ist eigentlich sehr gut. 6 Spurig ausgebaut und ohne größere Schlaglöcher. Alle paar Kilometer sieht man kleine Garnison. Vermutlich sind diese in Sichtweite von einander angelegt.

Das erinnert mich wohl an den Limes bei uns daheim. Da muss wohl auch ein größerer Zwischenfall passiert sein, damit die Römer alles voll gestellt haben mit Türmen.

Die Iraker haben sogar alle Brücken mit Posten besetzt.

Das Lustige daran ist, das an jeder Brücke Picknickplätze sind. Picknick bei Bomben Wetter?!? Es ist mehr als traurig.

Auch wurden alle Leitplanken abgebaut, vermutlich, dass es keinem Schutz dem Gegner bietet.

Ich möchte eigentlich gar nicht wissen, wie ein Auto aussieht, wenn das Auto gegen die Pfosten fährt…

Auch gibt es ab und zu Stücke ohne Asphalt. Vielleicht hat jemand hier Panzersperren errichtet?

Es gibt immer wieder Kontrollen. Für mich heißt dass immer wieder höchste Konzentration und ich versuche den Chef ausfindig zumachen und ignoriere den Rest eigentlich. Bei einem Rudel von Strassenhunden verliert man schnell den Überblick und ich habe keine Lust, dass hier jemand in Rosali einsteigt, ohne dass ich dabei bin. Erstaunlicherweise wird manchmal auch gar keine Kontrolle von Rosali durchgeführt, weil ich sie mit irgendwas ablenke, also kann es nicht so wichtig sein.

Eigentlich wollte ich ja das erste Dorf oder Stadt anfahren um mir Bargeld, SIMkarte, Essen und Diesel zu besorgen, aber das ganze ist nicht so einfach.

Die erste Abfahrt ist mit Sandhügel gesperrt, natürlich ohne Schilder. Beim Kontroll Posten unter der Brücke heißt es rechts abbiegen, aber da ist schon der nächste Posten der mich weiterschickt. Hinter dem Dorf gibt es noch eine Zufahrt, aber da komme ich vom Regen in die Traufe. Hier bleibe ich erst mal hängen bis ein Cornel vorbeikommt, der mir erklärt im Dorf ist der Feind. Ja, klar doch.

Er gibt mir einen Soldaten mit und meint wir fahren dahin wo es keine Probleme gibt. Die Fahrt endet auch genau beim nächsten Kontrollpunkt. Da gibt es weder was zum Essen noch sonst irgendwas. No Problem-was mich Nerven und gut 1 Stunde gekostet hat.

Die nächste Stadt ist gut 200km entfernt, bei den Kontrollstellen ist das eine Ewigkeit.

Ein Soldat schafft es sogar mir eine Orange aus Rosali zu stehlen! Ohne zu fragen öffnet der Soldat die Beifahrertür, die ich seit dem letzten Mitfahrt wohl nicht geschlossen hatte und schnappt sich eine Orange aus dem Korb. So schnell kann ich gar nicht reagieren. Für mich ist eine Vorstellung, dass Soldaten gemeine Diebe sind sehr ungewöhnlich. Das er seinen Beruf und damit die Kontrollfunktion der Fahrzeuge zu seinem persönlichen Bereicherung einsetzt ist ekelhaft und wirft natürlich Gräben auf. Wenn man als Westler schon unter der Willkür von kriminellen in Uniform leidet, wie wirkt sich so etwas auf einheimische aus?

Was mir noch auffällt ist, dass die Polizei einen höheren Respekt als die Soldaten genießen. Sobald ein Polizist auftaucht, benehmen sich die Soldaten anständiger. Wenn ich an die Türkei zurück denke, als ein Soldat am morgen noch vor mir salutiert hat und hier im Irak muss man aufpassen, dass die Säcke nicht ständig sich an Rosali anlehnen. Rückgrat fehl Anzeige?

Irgendwie hat jeder Soldat bei den Kontrollen eine andere Uniform an. Leider gehen die Fotos nur in eine Richtung, das heißt ich werde Fotografiert, aber darf keine Soldaten aufnehmen. Naja, wenigstens hat das Betteln um Geld aufgehört.

Ich biege auf Ramadi ab und möchte zu einer Polizeistation fahren und fragen ob ich da parken darf. Bei einer Brücke über den Euphrat erkenne ich zum Glück noch ein niedriges Rohr. Ich kann die Höhe schlecht abschätzen, aber ich denke es ist zu niedrig. Kaum halte ich an um einen anderen Weg zu planen, da kommt schon ein Autofahrer und Soldat die auf mich ein sprechen. Ich geh den Soldaten recht direkt an und er macht erst mal einen großen Bogen um mich.

Schöner Platz am Euphrat gewesen

Insgeheim wünsche ich mir ich könnte hier einen Platz finden für die Nacht, aber leider gerade ich an einen Fixer der mich unbedingt zu einem Parkplatz bringen will. Leider ist der scheiss Parkplatz im Zentrum der Stadt, rechts und links alles voll Läden.

Ich bin auf hundertachzig und der Fixer bekommt es zu spüren. Ich habe keine Lust auf Wasser, Tee, Kaffee, Dusche, Hotel, Essen oder sonstigen was er mir natürlich für free anbietet. Ich traue dem Pack keinen Steinwurf weit und lasse ihn einfach stehen.

Selbst nach 2h gibt er keine Ruhe und bringt mir eine Flasche vorbei. Ich lehne dankend ab, verweise auf die Nacht und lade ihn gerne um 7Uhr dafür ein. Aber da besucht er schon seine Familie ist bei der Uni oder was weiß ich , wer’s glaubt…

1h später ist er schon wieder vor der Tür. Nur 1 min…. was immer auch. Meine MAG Taschenlampe erhellt sein Gesicht und ich gib ihm zu verstehen, dass hier jetzt Schluss ist.

Ich hoffe ich kann hier wenigstens ein paar Stunden schlafen. Wirklich ein scheiss Platz. Außerdem muss ich mir überlegen, wie ich hier an SIMkarten heran komme, ohne Inet kann ich mach nichts suchen und maps.me meint, der nächste Geldautomat ist 50km entfernt und in Armenien, 750+km seien viele – hilft auch nicht gerade.

Die Nacht ging so, es war auch recht warm. Seit langen ohne Decke geschlafen und offenen Dachluken. Als ich um 7 Uhr beim Staubsaugen bin, kommt auch mein Fixer vorbei. Ich bringe ihn auch dazu mich zu einer Geldwechsel Stelle zu bringen. Ist eigentlich ganz einfach, da ist ein MasterCard Symbol aussen drauf.

Ich wechsle meine Saudi Rials, die ich noch übrig habe. 943Rials bekomme ich 200us$ und 50k IQD ich tausche gleich die 200us$ auch noch in Dinar, damit habe ich wieder einen Berg Geld.

Eigentlich sollten wir jetzt eine Irakische SIMkarte von Zain kaufen, aber irgendwie sind alle Läden zu und die Jungs wollen nicht wirklich. Ich werde aus dem Zeug nicht schlau.

Wir machen aber noch einen Abstecher zum Euphrat.

Irgendwie hab ich wieder die Schnauze voll von den Irakern ihrem Geschwätz und verabschiede mich höflich.

Nächster Stop tanken. Leider geht das nicht automatisch, sondern man muss die Liter vorher kaufen, die man vertankt. Dazu sollte das Auto registriert sein. Klasse, gleich noch mehr Probleme 😉

Wobei ich für die 24000 aber 30000IQD bezahlt habe. Da hat wohl jemand wieder mit verdient. 😦

Rustavi

Am Morgen besorge ich mir zwei Brote. Eins wird sofort im warmen Zustand gegessen. Danach fülle ich Rosali für 2,35GEL/l, 64Cent/L mit Diesel auf.

Meine Stimmung heiter sich zum ersten mal nach dem Bruch des Displays etwas auf.

Ich mache auch noch an einer kleinen Burg einen Stop.

Danach fahre ich direkt zum Reparier Laden und finde auch davor einen Parkplatz.

Die Reparatur ist nicht günstig, aber er fährt extra nach Tiflis um die Original Ersatzteile zu holen und er macht es noch heute Ferig.

800 Georgischer Lari entspricht
219.10 Euro

Derweil finde ich hinter dem Laden eine stille Strasse wo ich mich mit einigen Jungs unterhalten kann.

Es hat auch eine Wasserleitung und ich kann nebenbei Rosali wieder mit Frischwasser Auffüllen.

Gegen Mittag gehe ich noch etwas Essen. Die Bäcker arbeiten immer und ist schön zuzuschauen.

Um 18 Uhr ist mein Händi fertig und es sieht aus wie neu.

Einer der Jungs lädt mich zu einer Stadtrundfahrt ein. Ich bin froh Rosali hier sicher parken zu können.

Viele der alten Gebäude wurden von deutschen Kriegsgefangenen errichtet. Der Hauptteil der Stadt nimmt die Metallfabrik ein. Von hieraus hat sich die Stadt ausgebreitet. Heute arbeitet die Fabrik nicht mehr, aber ist trotzdem noch gepflegt.

Zurück zu Rosali, lade ich meinen Tourguid noch in Rosali zu einem Tee ein, da nach bin ich Hunde müde und sehr glücklich, dass ich mein Händi wieder habe 😉

Die Nacht war sehr windig. Ich habe Glück, dass ich hier hinter den Hochhäusern geschützt bin.

Am morgen gibt ein weiches Ei und Kaffee. Bevor ich mich auf dem Weg mache, gehe ich noch was essen.

Da ich weiss was ich haben will, aber weder den Namen noch irgend etwas von der Schrift verstehe, mache ich ein Bild und zeige es 😉

Der Bäcker sagt auf perfekten Englisch, dass es 15 min dauert. Gerne warte ich darauf, wenn es frisch für mich zubereitet ist 😉

Die Portion ist riesig, und für 10GEL, was keine 2,75€ sind, für unsere Verhältnisse günstig.

Zeit Rustavi zu verlassen.

Rustavi, am Kreuz

Heute heißt es Abschied nehmen von Armenien. Noch ein letzter Blick, ein letztes Foto.

Und ich bin an der Grenze. Die Grenze macht allerdings erst in gut eineinhalb Stunden auf. Also nutze ich Die Zeit und füttere Streuner mit meinem alten Brot. Setzte neue Batterien in den Reifendruck Wächter ein.

Staubsaugen und überprüfe Ölstand und Luftfilter.

Dann ist auch schon 9:45 und wir dürfen in den Grenzbereich einfahren. Der Armenier sammelt die Ökosteuer Formulare ein. Die Versicherung interessiert ihm nicht. Im Pass bekomme ich den Ausreisestempel und gut ist es.

Beim Georgier braucht es PCR Test, Covid Impfung, Führerschein und natürlich Pass und Fahrzeugschein, dann gibt es hier auch einen Stempel.

Bevor ich zur Versicherung fahre, fahre ich in den nächsten Ort und mir 480Gel. Damit kaufe ich gleich ein Brot und was kleines dazu für 2Gel. 3,60Gel sind etwa 1€.

Danach geht’s zur Versicherung, da nehme ich 14 Tage, bis zum 24 September für 30Gel.

Den ersten Platz was ich anfahre ist voll von Abfällen, aber ich sehe auch wieder Schildkröten, die ich in Armenien gar nicht gesehen habe.

Auf dem Weg zum zweiten Übernachtungspunkt möchte ich noch Wasserbunkern und halte bei einer Quelle an. Leider kommt da kein Wasser raus. Ich frage die Leute ob da Wasser wäre und während ich ihnen erkläre, dass ich das Wasser bunkern möchte, liegt auch schon eine kalte Flasche Borjomi Wasser im Cockpit. Ich bedanke mich noch ganz herzlich für die Gastfreundschaft 😉

Im nächsten Dorf finde ich dann doch eine Dorfquelle, die ein eigenes Bohrloch hat und fülle damit Rosali.

Der zweite Übernachtungsort gefällt mir auch nicht, bin ich etwa zu verwöhnt von dem einsamen Armenien?

Dann fällt mir von der Strasse aus ein riesiges Kreuz auf und ich entschließe mich spontan nach einem Weg hinauf zu suchen. Nach 15min bin ich auch oben, die Strasse könnte besser sein, aber dann wäre es auch zu voll hier oben. So genieße ich die Einsamkeit.

Da ich schon frisches Wasser an Board habe, schalte ich schnell die Heizung an. Das Frischwasser war doch sehr kalt beim einfüllen und ich habe die Heizung seit April wohl noch nicht angehabt. So kann ich Haare waschen und auch duschen.

Danach gibts einen herrlichen Sonnenuntergang

Zum Abendessen wollte ich eine Fischdose öffnen, aber das ist schief gegangen. Jetzt putze ich mehr, als ich essen.

Trotzdem ist der Ausblick hier wunderschön.

Ich schlafe momentan wie ein Murmeltier. Gehe früh ins Bett, gestern um 22Uhr und bin morgens immer noch müde.

Küche gereinigt und letzten Tee aufgesetzt

Nachts kamen noch ein oder zwei Autos, die sich auch die Lichter anschauen wollen, was mich nicht gestört hat. Um halbzwölf war es absolut still.

Der Morgen bringt auch Neuigkeiten von der Deutschen Post. Nach genau drei Wochen, 21! Tagen, hat der Brief, mit meinem Pass und Iran Visum, es tatsächlich zum internationalen Logistikzentrale (Flughafen?) in Deutschland geschafft. Die Armenische Haypost, weiss nur noch nichts davon.

Ich freunde mich mit dem armenischen Kaffee an. Wenn man es richtig macht, schmeckt der Kaffee gar nicht schlecht. Ich nehme zwei Kaffeelöffel (je 2g) Kaffepulver, Zucker und 4/5 volle Kaffeekanne mit Wasser. Danach aufkochen lassen bis es langsam steigt – fertig!

Ich wasche alle Fenster von Rosali von aussen ab. Leider hab ich ein paar Büsche gestreift, die Kratzer gehen leider vom Abwaschen nicht weg, aber es sieht danach besser aus.

Kaum bin ich fertig und am zweiten Kaffee, da kommt ein Trupp von Elektriker mit Kranwagen heran. Aber sie geben wir Zeichen, dass ich nicht störe. Anscheinend ist ein LED Trafo defekt.

Von unten im Tal höre ich Motorengeräusche. Da ist auch die Rennstrecke nicht weit von mir.

Erkennen kann ich leider nichts.

Abends kommen noch ein paar deutsche Pfadfinder vorbei, die hier in Georgien ein Jahr arbeiten.

Sobald es Abend wird gehen die Lichter an.

Heute leuchtet das Kreuz auch in seiner vollen Pracht.

Die Nacht war für ein Samstag ganz gut, ich befürchtete schon massen an Partyleute hier oben.

Ich höre ein Moskito schwirren als ich gerade am Einschlafen bin und hole noch mein elektro Schläger heraus und schalte den Schläger scharf.

Ein Moskito und eine Motte hab ich am nächsten Morgen gefunden. Ich denke der elektro Schläger ist brauchbar 😉

Die Nacht war mit 20°C recht warm, dafür ist der Morgen auch bewölkt.

Tschüss schöner Parkplatz, ich komme wieder, wenn man dann noch darf.