Hayy al Ascari, Parkplatz

Eigentlich sieht alles gut aus. Ich komme früh weg, tanken ist auch schnell beendet, die ersten zwei Kontrollstellen ignorieren mich, oder schaun nur kurz in den Pass.

Der Verkehr geht eigentlich auch noch. Hier ist noch eine Ersatz Brücke im Betrieb.

Vor Bagdad komme ich dann in eine große Kontrolle. Mein Pass wird zig mal durch geknetet, vielleicht ändert sich ja dann mein Gesicht, oder das Visa oder die Stempel. Magie oder Dummheit? Dem Polizist ist es wohl egal, das sie ein Pass 10 Jahre oder mehr halten sollte. Irak 9 Tage und mein Pass ist um 9 Jahr gealtert. Wenn ein Polizist meint er müsste mit seinen Dreckstiefel auf meinem Teppich, gibts erst ein TzTz, dachte ein Klopfen auf Holz und Finger auf Schuh.

Meistens kapiert er es selber, dass ich das nicht schön finde, manchmal werd er auch von einem Chef heraus gerufen. Da die Kontrollen immer noch nicht meine Staufächer gefunden haben, brauchen sie den Rest auch nicht kontrollieren.

In einem Kontrollpunkt ist es dem Chef so peinlich, das er mich nicht nur mit Wasser und Tee versorgt, sondern es gibt auch noch ein Mittagessen dazu zum mitnehmen.

Dabei lerne ich auch, dass Füsse übereinander schlagen im Islam nicht gern gesehen wird. Auch was dazu gelernt.

Der Verkehr um Bagdad ist Chaos pur, da werden 5 Spuren gebildet und nach 200m stockt alles, da nur 3 Spuren durch gehen. Ein Ami Doges, wahrscheinlich von einem Kriegsgewinnenler hat mich am Anfang überholt und ist ständig am drängeln. Nach 5km bin ich an ihm vorbei gefahren, weil sich 2 Spuren sich gegenseitig blockiert haben.

Ich sehe auf meiner Seite ein Gas Flaschen füll werk und halte mal an. Die Iraki Flaschen sind wie die Spanischen Flaschen, der gleiche Adapter passt darauf. Leider kann er weder die deutsche noch die Saudi Flasche füllen, aber er zeigt mir seine Abfüllanlage und ich bin erstaunt von der Einfachheit und Schnelligkeit der Flaschenfüllungen.

Ich zeige ihm meinen Umfüllschlauch und er hat auch sofort die Idee verstanden. Als ein Lieferwagen die Fabrik verlässt wird einfach eine Gasflasche abgeladen und wir versuchen die Flaschen zu füllen. Nachdem es mit der Saudi Flasche nicht hinhaut, versuche ich es mit der deutschen, aber auch hier passiert nicht viel. Es konnte aber auch an den vielen Händen liegen. Irgendwie sind 7 Leute um uns, die lautstark ihre Meinung sagen und einfach irgendwo etwas herum Schrauben. Als einer den Gasschlauch weiter lockert, das schon Flüssiges Gas raus tropft werde ich sauer. Man kann es auch übertreiben.

Ich möchte nicht wissen wie die Irakis Minen entschärfen, aber mit der Taktik, fehlen bald ein paar Hände.

Kurz gesagt ich bin nach gut 20min mit den Nerven am Ende und wir brechen ab. Es kann sein, dass etwas Gas in die Flasche ging, aber sicher bin ich mir nicht, das Gewicht hat sich kaum verändert.

Ich werde noch zum Tee beim Chef eingeladen und bedanke mich noch bei allen für ihre mehr oder weniger guten Ideen.

Ich habe noch 70km vor mir und keine Lust mehr. Vermutlich sind in den 70km 1-2 Kontrollstellen versteckt, dann kann es alles von 1h bis 3h sein. Ich fahre einfach einen Rastplatz an.

Heute ist auch meine Spülflasche, die ich in Spanien 2020 gekauft habe leer. Erstaunlich wie lange eine Flasche für 1€ hebt.

Die Nacht war okay, morgens war ich mit Lastwagen umstellt. Ich muss wohl einfach durchgeschlafen haben, obwohl Strassen Lärm und LKWs.

Zum Frühstück gibt es zwei Kaffee, zwei weiche Eier und Radieschen noch von Jordanien, die sich aber im Kühlschrank gut lagern lassen.

Mir geht langsam alles aus, aber ich finde kaum Einkaufsmöglichkeiten. Duschgel, Kaffee, Tee, Zucker und einen Satzreifen wären nicht schlecht. Aber irgendwie komme ich zu nichts.

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Ramadi, Innenstadt

Die Autobahn ist eigentlich sehr gut. 6 Spurig ausgebaut und ohne größere Schlaglöcher. Alle paar Kilometer sieht man kleine Garnison. Vermutlich sind diese in Sichtweite von einander angelegt.

Das erinnert mich wohl an den Limes bei uns daheim. Da muss wohl auch ein größerer Zwischenfall passiert sein, damit die Römer alles voll gestellt haben mit Türmen.

Die Iraker haben sogar alle Brücken mit Posten besetzt.

Das Lustige daran ist, das an jeder Brücke Picknickplätze sind. Picknick bei Bomben Wetter?!? Es ist mehr als traurig.

Auch wurden alle Leitplanken abgebaut, vermutlich, dass es keinem Schutz dem Gegner bietet.

Ich möchte eigentlich gar nicht wissen, wie ein Auto aussieht, wenn das Auto gegen die Pfosten fährt…

Auch gibt es ab und zu Stücke ohne Asphalt. Vielleicht hat jemand hier Panzersperren errichtet?

Es gibt immer wieder Kontrollen. Für mich heißt dass immer wieder höchste Konzentration und ich versuche den Chef ausfindig zumachen und ignoriere den Rest eigentlich. Bei einem Rudel von Strassenhunden verliert man schnell den Überblick und ich habe keine Lust, dass hier jemand in Rosali einsteigt, ohne dass ich dabei bin. Erstaunlicherweise wird manchmal auch gar keine Kontrolle von Rosali durchgeführt, weil ich sie mit irgendwas ablenke, also kann es nicht so wichtig sein.

Eigentlich wollte ich ja das erste Dorf oder Stadt anfahren um mir Bargeld, SIMkarte, Essen und Diesel zu besorgen, aber das ganze ist nicht so einfach.

Die erste Abfahrt ist mit Sandhügel gesperrt, natürlich ohne Schilder. Beim Kontroll Posten unter der Brücke heißt es rechts abbiegen, aber da ist schon der nächste Posten der mich weiterschickt. Hinter dem Dorf gibt es noch eine Zufahrt, aber da komme ich vom Regen in die Traufe. Hier bleibe ich erst mal hängen bis ein Cornel vorbeikommt, der mir erklärt im Dorf ist der Feind. Ja, klar doch.

Er gibt mir einen Soldaten mit und meint wir fahren dahin wo es keine Probleme gibt. Die Fahrt endet auch genau beim nächsten Kontrollpunkt. Da gibt es weder was zum Essen noch sonst irgendwas. No Problem-was mich Nerven und gut 1 Stunde gekostet hat.

Die nächste Stadt ist gut 200km entfernt, bei den Kontrollstellen ist das eine Ewigkeit.

Ein Soldat schafft es sogar mir eine Orange aus Rosali zu stehlen! Ohne zu fragen öffnet der Soldat die Beifahrertür, die ich seit dem letzten Mitfahrt wohl nicht geschlossen hatte und schnappt sich eine Orange aus dem Korb. So schnell kann ich gar nicht reagieren. Für mich ist eine Vorstellung, dass Soldaten gemeine Diebe sind sehr ungewöhnlich. Das er seinen Beruf und damit die Kontrollfunktion der Fahrzeuge zu seinem persönlichen Bereicherung einsetzt ist ekelhaft und wirft natürlich Gräben auf. Wenn man als Westler schon unter der Willkür von kriminellen in Uniform leidet, wie wirkt sich so etwas auf einheimische aus?

Was mir noch auffällt ist, dass die Polizei einen höheren Respekt als die Soldaten genießen. Sobald ein Polizist auftaucht, benehmen sich die Soldaten anständiger. Wenn ich an die Türkei zurück denke, als ein Soldat am morgen noch vor mir salutiert hat und hier im Irak muss man aufpassen, dass die Säcke nicht ständig sich an Rosali anlehnen. Rückgrat fehl Anzeige?

Irgendwie hat jeder Soldat bei den Kontrollen eine andere Uniform an. Leider gehen die Fotos nur in eine Richtung, das heißt ich werde Fotografiert, aber darf keine Soldaten aufnehmen. Naja, wenigstens hat das Betteln um Geld aufgehört.

Ich biege auf Ramadi ab und möchte zu einer Polizeistation fahren und fragen ob ich da parken darf. Bei einer Brücke über den Euphrat erkenne ich zum Glück noch ein niedriges Rohr. Ich kann die Höhe schlecht abschätzen, aber ich denke es ist zu niedrig. Kaum halte ich an um einen anderen Weg zu planen, da kommt schon ein Autofahrer und Soldat die auf mich ein sprechen. Ich geh den Soldaten recht direkt an und er macht erst mal einen großen Bogen um mich.

Schöner Platz am Euphrat gewesen

Insgeheim wünsche ich mir ich könnte hier einen Platz finden für die Nacht, aber leider gerade ich an einen Fixer der mich unbedingt zu einem Parkplatz bringen will. Leider ist der scheiss Parkplatz im Zentrum der Stadt, rechts und links alles voll Läden.

Ich bin auf hundertachzig und der Fixer bekommt es zu spüren. Ich habe keine Lust auf Wasser, Tee, Kaffee, Dusche, Hotel, Essen oder sonstigen was er mir natürlich für free anbietet. Ich traue dem Pack keinen Steinwurf weit und lasse ihn einfach stehen.

Selbst nach 2h gibt er keine Ruhe und bringt mir eine Flasche vorbei. Ich lehne dankend ab, verweise auf die Nacht und lade ihn gerne um 7Uhr dafür ein. Aber da besucht er schon seine Familie ist bei der Uni oder was weiß ich , wer’s glaubt…

1h später ist er schon wieder vor der Tür. Nur 1 min…. was immer auch. Meine MAG Taschenlampe erhellt sein Gesicht und ich gib ihm zu verstehen, dass hier jetzt Schluss ist.

Ich hoffe ich kann hier wenigstens ein paar Stunden schlafen. Wirklich ein scheiss Platz. Außerdem muss ich mir überlegen, wie ich hier an SIMkarten heran komme, ohne Inet kann ich mach nichts suchen und maps.me meint, der nächste Geldautomat ist 50km entfernt und in Armenien, 750+km seien viele – hilft auch nicht gerade.

Die Nacht ging so, es war auch recht warm. Seit langen ohne Decke geschlafen und offenen Dachluken. Als ich um 7 Uhr beim Staubsaugen bin, kommt auch mein Fixer vorbei. Ich bringe ihn auch dazu mich zu einer Geldwechsel Stelle zu bringen. Ist eigentlich ganz einfach, da ist ein MasterCard Symbol aussen drauf.

Ich wechsle meine Saudi Rials, die ich noch übrig habe. 943Rials bekomme ich 200us$ und 50k IQD ich tausche gleich die 200us$ auch noch in Dinar, damit habe ich wieder einen Berg Geld.

Eigentlich sollten wir jetzt eine Irakische SIMkarte von Zain kaufen, aber irgendwie sind alle Läden zu und die Jungs wollen nicht wirklich. Ich werde aus dem Zeug nicht schlau.

Wir machen aber noch einen Abstecher zum Euphrat.

Irgendwie hab ich wieder die Schnauze voll von den Irakern ihrem Geschwätz und verabschiede mich höflich.

Nächster Stop tanken. Leider geht das nicht automatisch, sondern man muss die Liter vorher kaufen, die man vertankt. Dazu sollte das Auto registriert sein. Klasse, gleich noch mehr Probleme 😉

Wobei ich für die 24000 aber 30000IQD bezahlt habe. Da hat wohl jemand wieder mit verdient. 😦