Tikrit, Innenstadt

Heute sollte es eigentlich nur 70km zu einen Schnecken Minarett gehen und dann noch 5km zu einem Palast und da übernachten. Eigentlich locker und einfach, ausser man befindet sich im arabischen Irak ;-(

Die 70km hab ich locker in 3h geschafft, was für Irakische Verhältnisse richtig flott ist.

Leider muss ich am letzten Kontrollpunkt meinen Pass abgeben und bekomme einen Zettel, damit kann ich die letzten Meter fahren und für 3k IQD auch Kurzparken.

Irgendwie habe ich wohl vergessen, dass es heute Freitag ist. Ziemlich alles was Beine hat ist unterwegs, der Rest rollt im Stuhl umher.

Ich werde praktisch mit dem Menschen massen mit genommen. Es geht durch drei Sicherheitsschleussen, wobei keiner mein Messer in der Hosentasche bemerkt. Schuhe kann man gegen eine Pfandmarke abgeben und schon bin ich in der Moschee.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Al-Askari-Schrein

Zu meinem Erstaunen schleppt mich ein Angestellter zu einer Essensausgabe, hier gibt es Reis mit Bohnen für Umsonst.

Wenn ich mal 5 Sekunden stehen bleibe, dann hab ich gleich jemanden der ein Photo will. Es ist ja alles ganz nett und gut, aber so werde ich nie mein Ziel finden. Ich schüttle meine sehr bemühten Freunde ab, in dem ich darauf bestehe 2k zu Fuss zu gehen. Da haben die Irakis überhaupt kein Verständnis, gehen obwohl Auto, nein das geht nicht.

Der Eintritt kostet mal wieder 25k IQD, was ich für einen Turm recht viel finde. Das rauf laufen macht auch keinen Spass, da es nur ein Geländer innen gibt und ständig Leute mich voll quasseln. Blick von Oben ist okay.

Jetzt heißt es alles zurück. Runter vom Turm, zurück zu Rosali, über den Tigris zum Kontrollpunkt zu meinem Pass.

Mit meinem Pass in Händen will ich zu dem Virgin Palast fahren, aber da müsste ich wieder den Pass abgeben. Und eine Nacht ohne Pass im Irak ist nicht lustig.

Also plane ich eine andere Strecke. Nach ein paar Kilometern sehe ich eine Burg und halte spontan an.

Ein Wächter ruft mir zu erkenne mich von Facebook ich solle doch hier direkt beim Schloss parken.

Wow, ich freue mich schon auf eine Stille Nacht bei einer Burg, aber ich bin ja im Irak.

Ein Typ mit Familie will mich unbedingt herum führen. Vermutlich ist er der Sichheitschef hier am freien Tag.

Statt hier zu parken wirft er mich mehr oder weniger raus.

Die nächste Stadt ist etwa 40km entfernt und am Himmel braut sich ein Sandsturm auf. Nach drei Kontrollstellen kann ich auch überall parken, so jedenfalls die Polizei von dem letzten Kontrollpunkt und Oberschule mit Polizeiposten wäre sehr gut. Aber wir sind ja im Irak…

Ich fahre frohen Mutes Richtung Schule, da werde ich von zwei Männern gestoppt. Ich erkläre das ich hier Parken möchte.

Alles kein Problem-ausser du bist im Irak!

Ich bekomme einen Soldaten als Beifahrer und soll ein Fahrzeug folgen. Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen-ausser du bist im Irak!

Wir fahren eine Weile zu einer Kasserne und Labyrinth artig hinein. Ich kann hier Rosali parken, hier sind Toiletten ob ich Chai haben möchte ich soll doch ins Büro mitkommen. Wow, ich denke schon heute hast du den Jackpot gewonnen, super Gastfreundschaft und super Parkplatz für die Nacht. Wir schweigen uns eine Weile an, da vermutlich meine SIMkarte im Handi nicht mehr läuft. Es werden Photos von mir gemacht und auch ein Zweiplätiges Papier aufgesetzt, naja Armee und Bürokratie.

Plötzlich geht es weiter wir gehen zu Rosali und ich bekomme wieder einen Soldaten als Beifahrer und ein Vorraus Fahrzeug. Ich denke noch schade, wäre ein guter Parkplatz für die Nacht, vielleicht gibts ja noch was besseres. Der Soldat neben mir kann wenigstens mit dem Handi umgehen und bezeichnet den Offizier als „dümmsten Hund“ und „der hat keine Ahnung“. Ich denke noch, da ist wohl etwas stunk in der Kasserne.

Wir kommen auch an einem Punkt an, an dem ich drehen soll. Mittlerweile ist es stockdunkel und der Sandsturm im vollen Gange. Mein Soldat verlässt mich und ich warte schon, dass gleich ein Tor aufgeht wo ich schön parken kann…aber wir sind ja im arabischen Irak.

Mein vom Soldaten titulierten Offizier kommt zu mir, übergibt mir meinen Pass und meint ich soll weiter fahren… Ich schaue etwas dumm aus dem Fenster. Haben wir jetzt wirklich gerade 2h vergeudete nur, dass ich wieder auf der Strasse lande? Gibt es hier die versteckte Kamera auf Irakisch? Manchmal ist es sehr vorteilhaft, dass ich nicht bewaffnet bin!!!

Das dies alles nur zu meiner Sicherheit ist geht mir langsam auf dem Sack. Die Unfähigkeit der Kontrollen, das befingern meines Passes, das beschmutzen meines Teppichs- ich hab die Schnautze voll. Hier haben die Amis eine ganze Generation versaut.

Ich parke in einer Nebenstraße, die aber nicht immer eine Nebenstraße ist. Ich hoffe der Verkehr legt sich mit der Zeit.

Ich habe jetzt immer damit gerechnet, dass es nur ein schlechter Lauf ist und das ich gerade Pech habe, aber morgen versuche ich die Kurdische Seite zu erreichen. Arabische Irak hab ich aufgegeben.

Die Nacht war bei 14°C recht gut. Heute beim Kaffee merke ich eine Delle im Tisch.

Gestern ist nach einer Kontrollstelle ein Akku und der Laptop heraus gefallen. Vermutlich hat ein Soldat den Kasten geöffnet und nicht mehr richtig verschlossen und ich habe es nicht bemerkt vor der Weiterfahrt. Sehr ärgerlich 😦

Ich muss mal schaun, ob ich da mit Kleber die Stelle Wasserfest verschließen kann.

Heute steht Tanken, 50l für 25kIQD an und 145km bis zur ersten Kurdische Stadt an. Trinkwasser wäre auch nicht schlecht, aber ich habe noch 20l in Reserve.

Tja, plan A geht schon mal schief. Am ersten Kontrollpunkt nach 30km ist Feierabend. Anscheinend Brücke kaputt, Kiegsgebiet und ich weiss nicht was alles. Dafür müssen auch zwei Leute mit ihren DrecksSchuhen durch Rosali stampfen. Stimmung ist schon morgens um 9 recht tief.

Vermutlich treffe ich hier zum ersten mal auf Iranische Kräfte. Der Führer trägt ein grünes Halsschleierband und ist hier wohl Chef. Wir beäugen uns streng, ich hätte auch etwas netter sein können, aber diese Dreckbringer gehen an die Nerven und Substanz. Jedes mal drauf achten, dass er nichts auf macht, bzw. es auch wieder sauber schließt.

Als ich die 30km zurück gefahren bin und auf die Strasse nach Kirkuk ein biege höre ich ein Hupen eines Polizeiautos. Erst dachte ich oh mist, da hab ich wohl die falsche Spur beim Abbiegen gewählt, ich fahre auch auf der Gegenseite. Aber weit gefehlt, meine Polizisten wollen Fotos von mir.

https://www.facebook.com/303228633100596/posts/5478026835620724/?d=n

Ein Bild von mir hat 32k Besucher. (Stand 12.3.2022) Und viele haben das Bild gesehen und ich bin der Facebook Almani.

Halbe Stunde später fahre ich zum Tanken raus und auch hier kommen die Leute auf mich zu. Tanken geht irgendwie ohne dass das Zählwerk läuft und ruckzuck ist Rosali voll. Danach gibt noch eine Einladung zum Chai, wo auch noch Brot und Quark mit Honig und Datteln auf dem Silber Tablett angebracht werden. WOW!!!

Weiter geht es Richtung Kirkuk und manche Bilder kommen mir vom Fernseher bekannt vor. Leider nur von negativen Meldungen…

Eigentlich wollte ich in Kirkuk die Festung besuchen und da die Nacht verbringen, aber ein netter Taxifahrer hat mir davon abgeraten.

Ich bin am suchen was als nächstes möglich ist und erinnere mich an Erbil. Erbil ist die Kurden Hauptstadt und sehr sicher.

Leider hat mein Navi die ersetzte Brücke noch nicht im Plan und schickt mich durch ein kleines Dorf.

Turkmeneli

Hier sehe ich zum erstenmal auch die Flagge als ich über die zwei Brücken fahre.

Den ersten Polizeiposten lasse ich stehen und fahre direkt zum nächsten, was wohl ein Fehler ist. Die armen, trotzdem sehr netten und hilfsbereiten Polizisten machen mir klar, dass ich zurück muss.

Zurück zum ersten Polizeiposten sind diese nicht gerade freudig, dass ich diese ignoriere. Da ich sowieso auf irgend was warten muss, beschließe ich gegenüber was essen zu gehen, das Brot ist sehr gut und direkt vom Ofen und das Essen sehr gut.

Die Präsentation und die Sauberkeit erinnert mich sehr an die Türkei 😉

Damit endet meine 12 Tage arabischer Irak den ich wohl nie wieder vergessen werde.

Irak ist viel seitig. Den arabischen Teil kann ich von mir aus gesehen nur als Transitland empfehlen. Jordanien/Iran/Kuwait/Kurdistan geht alles, man darf nur nicht in Kurdistan einreisen, denn da gibt es nur Visa für Kurdistan.

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Kut

Heute geht es 200km Richtung Bagdad zu einer Stadt Kut. Ich sehe immer wieder an der Strasse Bilder, kann nur vermutlich, dass dies Ali ist der von den Schiiten verehrt wird und im Irak getötet wurde.

Ich muss durch mehrere Kontrollstellen fahren. Bei einem bekomme ich auf dem Weg, dass ich keine Anhalter mit nehmen soll, wenn es Irakis sind.

Die Sonne geht langsam unter und die letzten 45km sind zäh.

Ich freue mich um so mehr, als mir der nächste Kontrollposten mir anbietet hier zu bleiben und ich nehme es sofort dankend an.

Ich bin schon am Tee und werde müde, da kommt noch ein Polizist vorbei, der erst den Pass und dann die Fahrzeugpapiere haben will. Kein Problem, den Pass kann er auch bis morgen Früh behalten.

Der gute Mann kommt zum dritten Mal und erklärt mir, alle Papiere okay ich soll jetzt weiterfahren. – ???? Ich denke hier ist ein Missverständnis, ich bleibe hier bis Sonnenaufgang. – Nicht parken, weiter fahren!

Oh Mann, wirf Hirn vom Himmel. Aber anscheinend weichen ein paar geistig Gesegnete geschickt aus.

Es ist nach 20Uhr, es ist stockdunkel, ich habe keine Ahnung wohin ich fahren soll und die Diskussion bringt mich nicht weiter. Weiterfahren – Polizeistation? – Bagdad – nein, ich fahre nicht nachts…

Es bringt nichts, ich packe zusammen, vergesse natürlich die zwei Dachfenster zu schließen und schleiche mit 30 im Dunkeln vom Platz. Das erste was ich sehe ist eine Tankstelle und da ich eh morgen Tanken muss, hurra da darf ich wieder nach Diesel betteln und dann auch wieder beschissen zu werden, stelle ich mich einfach dazu.

Entweder ich störe heute Abend noch jemand oder die Polizei findet mich, dann darf ich wieder weiter fahren. Aber ich bin hundemüde und hab keinen Bock mehr.

Die Nacht war ruhig, oder ich so müde, dass ich nichts mitbekommen habe. Um 7 Uhr morgens lädt ein Kipper direkt hinter mir eine Ladung Ziegel ab. Draußen sind auch ein paar Bauarbeiter und laden mich zum Essen bzw. Chai. Ich lehne dankend ab und entschuldige mich, falls ich Unannehmlichkeiten gemacht habe. Zwei können sogar etwas Englisch sagen, dass alles okay ist.

Ich mache Rosali ohne Kaffee fahrbereit und steuere direkt die Tankstelle an. Unter den Autofahrern gibt es einen Tumult und anscheinend genau jetzt um 7:30 wird die Tankstelle geöffnet. Vermutlich streiten die sich jetzt eine halbe Stunde lang, wer zu erst tanken darf 😉

Beim Gas/Diesel bin ich der einzige und fahre gleich zum Kartenhaus. Jetzt verstehe ich auch, dass man ohne Registrierung von Irakische Kennzeichen, nicht für 400 sondern für 500 IQD, was 31 Cent sind, tankt.

Für 20k IQD, also 12€ tanke ich 40l. In D kostet mich 40l jetzt 92€. Da sage ich nur, da hat der deutsche Michel richtig gewählt! Gute Leistung!

Dhahban, am Meer

Heute schließe ich mit der Dakar ab. Ich weiss schon gar nicht mehr, wie man ohne aufjaulenden Motoren und Mechaniker, die die ganze Nacht durch arbeiten, schlafen kann 😉

3500km Dakar in 2 Wochen reichen mir erst mals 😉

Bei der Ausfahrt leere ich noch meine Toilettekassete in die Klowägen.

Als nächstes fülle ich Rosali mit Diesel auf. Erstaunlicherweise gehen 75l rein, obwohl es gerade erst auf Reserve ging.

Der Magen könnte auch was vertragen und ich suche ein Restaurant.

Es dauert etwas bis ich was gutes finde, es ist natürlich wieder ein Pakistanisches Restaurant, sau lecker und günstig.

Weiter geht’s zum Meer. Das rote Meer.

Kaum bin ich vor Ort, sehe ich schon wieder, das im Bad sich eine Schraube gelockert hat. Ich muss da mal in Ruhe alles anschauen.

Ich sitze gemütlich am Meer da kommt ein Inder und fragt mich ob ich „food sell“ – ich frage noch tatsächlich 3 mal nach ob ich das auch richtig verstanden habe. Der will von mir Essen kaufen – ich winke lachend ab, seine Frau im Schlepptau ist wohl sauer 😉

Ich schneide meine Fussnägel und es hupt hinter mir, mir egal auf Hupen reagiere ich höchsten mit einem Königlichen Winken und lächeln.

Da kommt schon ein Polizist in Uniform, ich darf hier nicht parken und auch nicht übernachten. sCHeisse!!!

Eigentlich hab ich keine Lust zu fahren und hab mich auf das Meer gefreut. Alleine Man und Meer – tja, daraus wird heute wohl nix. Der Strand ist aber zum übernachten in iOverlander markiert.

Ich fahre eine Stunde weiter und komme an ein schönes Ecke. Leider wimmelt es hier von Polizei und Sicherheitsdienst. Ich komme zwar an der ersten Schranke durch aber hier ist ein abgeriegelten Wohngebiet. Sieht nach Disneyland aus.

Ich finde einen Parkplatz und stelle mich einfach drauf und erkundige zu Fuß die Nachbarschaft.

Der Parkplatz gehört wohl zum Hotel. Da das Tor zur Strasse kann nicht verschlossen werden, also das ist schon mal gut. Raus komme ich wieder.

Rechts darf ich nicht weiter gehen und links ist eine spezielle Zone. Sind wohl stinkreiche Saudis hier. Ich finde einen Weg zum Meer und genieße hier den Sonnenuntergang. Keine Ahnung ob ich später noch Probleme bekomme, ich hoffe es nicht 😉

Es kommt wie es kommen muss. Gegen 22Uhr ruft einer draußen, ich ziehe mich an und öffne die Tür. Wächter vom Hotel, das hab ich mir schon fast gedacht. Ausser mir steht keiner auf dem Parkplatz, da falle ich schon auf. Paar Wörter auf englisch, sein Job ist es hier zu wachen, aber ich kann hier parken.

Gut! Zurück ins Bett und irgendwann eingeschlafen. Kurz vor 1 Uhr morgens wieder Stimmen. Ich wieder am anziehen und sehr Schlaf trinken mach die Tür auf. Dies mal stehen zwei andere und mein sehr verdatterter Wächter draußen. Anscheinend hab ich hier den Scherheitschef vor mir. Was ich hier wolle…. alles gerede taugt nix, Polizei kommt auch schon angefahren und ich muss etwa 2km raus fahren. Warum kann ich nur vermuten. Es stehen aber keine Schilder zum Hinweis oder zum Verbot.

Für mich natürlich nervig, aber sowas kann vorkommen, wenn man neue Plätze anfährt, die noch keiner Beschrieben haben.

Heute geht es erst mal Wasser aufnehmen und zu einen hoffentlich geruhsameren Platz.