Erbil, Shanadar Park

Ich sehe die ersten Zeichen von Kurdistan.

Ich bereite mich schon vor auf eine große Länge Inspektion und Stundenlanges Pass geblättert – erstaunlicherweise, willkommen in Kurdistan. Das wars!

Die Strassen sind sehr gut, die Leute halten sich an Ampeln und es gibt keine Strassenverkäufer mitten auf der Strasse. Hier ist es anders 😉

Ich mache noch einen Abstecher in die mir wohl vertraute Innenstadt und besuche einen Handi Laden, dem ich eine Fastlink SIMkarte für 28k IQD, was 17,60€ sind abkaufe. Die Karte hat einen Monat unbegrenzt Internetzugang.

Hier in Erbil hat sich sehr viel verbessert. Der Zaun um den Park ist neu, damals sind hier noch Hunde und Menschen durch den Zaun gekrochen. Das Wasserspiel ist auch sehr schön.

Zurück zu Rosali gibt es Tee und etwas Süsses das ich mir für 500 Dinar = 31Cent gekauft habe.

Kurz vor 22 Uhr fährt die Polizei mit gross Aufgebot vor dem Eingang, ich habe keine Lust und bleibe in Rosali, 10min später die Abfahrt.

Ich bin müde und falle mit Kleidung ins Bett.

Die Nacht war mit 10°C sehr frisch. Am Donnerstag soll es richtig kalt werden. Ich hab 15km ausserhalb einen Gasauffüller gefunden. Bei dem könnte ich am Montag mal vorbeischauen, ob der mir die zweite Deutsche und oder die Saudi Flasche füllt.

Morgens um 7:40 bekomme ich die erst Meldung:

In Erbil sind rund ein Dutzend Raketen eingeschlagen. Vermutlich aus dem Iran. Nicht sehr zielgenau

Whatsapp chat

https://twitter.com/lawyer_husean/status/1502773157949755392?s=20&t=H-DINMtXyUaerNfpuv5wpw

https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-iran-erbil-angriff-1.5546488

https://thecradle.co/Article/news/7680

Nicht alles so richtig toll, wenn du 5km davon entfernt bist. Zum Glück hab ich nichts davon mitbekommen und Nachts einfach bei Bombenwetter geschlafen 😉

Heute Morgen muss ich allen Sagen, das es hier ruhig ist. Am Nachmittag mache ich mich auf zur Innenstadt auch hier alles ruhig und alles easy.

Eigentlich wollte ich Richtung Raketen Einschläge gehen. Hab mich aber trotzdem dagegen entschieden. Vermutlich ist es sowieso abgesperrt, Fotos von Zerstörungen gibt es aktuell schon genug und es wird dunkel.

Ich merke, dass die Preise in Kurdistan höher sind als im arabischen Teil. Für 500Dinar gibt es nur 2 Fladen Brote, im arabischen Teil hab ich riesige Mengen bekommen, die Reste hab ich meist an Hunde verfüttert.

Zum Essen habe ich eine Leberspieß vom Grill im Brot für 2k gehabt. Ich denke das sind auch Touristen Preise. An einem Imbiss wagen gibt es in Öl ausgebackene Teig mit Rosinen/Zwiebel Füllung. Frisch, heiss und mit scharfer roter Soße sehr sehr gut. Der Sohn wollte mir 2k berechnen, der Vater korrigiere ihm zu 1k.

Ich denke es ist klar wohin die Preise gehen, wenn die Generation, die für die Unabhängigkeit gekämpft hat es an die nächste Generation weiter gibt. Preis Anstieg von 100% dürfte keine Seltenheit sein.

Auf dem Heimweg komme ich noch an einem Süßwaren Karren vorbei, da heute der zweite Fastensonntag ist, lasse ich mir von dem Verkäufer für 2k eine Auswahl zusammen stellen.

Zurück zu Rosali, genieße ich die Süßen Leckereien bei Tee und telefoniere mit meiner Frau.

Die Nacht war mit 11°C recht angenehm. Ich habe auch lange und tief geschlafen.

Morgens mache ich etwas Reiseplanung. Es sind etwa 1000km bis zum Mittelmeer. Der höchste Punkt liegt bei 1000m.

Von einem Freund höre ich, dass westlich von Cizre alle Strassen frei sind. Eigentlich könnte ich direkt in die Türkei weiter fahren.

Der Parkplatz ist heute gut gefüllt. Ich mache einen vergnüglichen Spaziergang durch den Park. Auch hier bemerke ich es wird sehr viel mehr Wert auf Sauberkeit gelegt.

Neben an gibt es eine Ausstellung zum Thema Landschaftsgestaltung.

Ich mache noch einen Abstecher in die Stadt. Für 500 Dinar gibts einen riesigen Bund Frühlingszwiebeln, denke die passen sehr gut zu meinem Eimer Quark/Joghurt. Für 1k kaufe ich mir wieder ein in Öl gebackenen gefüllten Teig.

Auf dem Rückweg zu Rosali nehme ich für 1250Dinar ein Kilogramm Zucker mit und 17l Wasser für 2k. Die 17l fühlen sich sau schwer an beim heim schleppen.

Ich fülle noch meinen Tee von Jordanien um. Irgendwie denke ich plötzlich, unsere deutschen Zöllner halten das sicherlich für Drogen 😉

Was ich jetzt noch brauche ist frisches Brot für heute Abend und auch fürs Frühstück.

Ich schau auf meine Maps und gehe zum nächsten Bäcker, leider ist dieser zu. Auf dem Rückweg stolpere ich über Fischladen mit Bäckerei.  Ich frage ob sie auch Brot verkaufen, aber sie verneinen. Paar Sekunden später kommt ein Angestellter heraus und fragt, ob ich Englisch verstehe würde und was ich brauche. Ich sage vier Brote, wären super und reiche ihm 1k Dinar. Er meint Brot wäre kostenlos, aber ich beharre dafür zu bezahlen. Er kommt mit einer Tüte mit mehr als 4 Brote heraus und reicht sie mir. Ich freue mich und mache mich auf dem Rückweg. Unterwegs esse ich schon das erste Brot. Beim zweiten hineingreifen spüre ich die 1000Dinare. Mein guter Mann hat mir heimlich nicht nur mehr Brote eingepackt, sondern auch noch mein Geld wieder in die Tüte gesteckt  😉

Ich bekomme auch noch einen Link von einer Facebook Zusammenstellung.

Mit einem Lachen im Gesicht denke ich an die letzten zwei Wochen zurück. Achterbahn der Gefühle, Ritt auf der Kanonenkugel, Totalitärer Polizeistaat, Herz und Seele – ich werde diese 14 Tage nie mehr vergessen!

Dienstag verbringe ich den größten Teil in Rosali. Zwei Männer klopfen an das Wohnzimmerfenster und sind sehr überrascht, als ich 2 Sekunden später neben ihnen stehe und frage was sie wollen.

Etwas später Klopfte es an der Tür und mir werden zwei Kleinkinder gereicht. Ich will ihnen schon klarmachen, das ich nicht hungrig bin, aber nach einem Blitzgewitter und vielen Fotos, werden mir die Kleinen wieder abgenommen.

Abends steigt wohl jemand auf meine ausgefahren Trittstuffe, Rosali wackelt minimal und ich bin wieder in 2 Sekunden draußen und 2 grosse Augenpaare und Münder starren mich an. Ich gib ihnen zu verstehen, dass ich das berühren von Rosali nicht nett finde und verschwinde wieder in Rosali.

Abends gibt es zwei Pack Nudeln nach Sonnenuntergang. Der Parkplatz leert sich und ich habe meine Ruhe.

Die Nacht war mit 4,7°C leider sehr kalt, ich nehme mir fest vor Abends und über Nacht die Heizung laufen zu lassen.

Links sauber, rechts dicker Staub

Als ich am Bett am Staubsaugen bin, fällt mir der Zustand der Fenster auf. 2h verbringe ich die Fenster im Schlafzimmer grob von Staub und Dreck zu reinigen.

Nachmittags gehe ich zum letzten Mal in die nahe gelegenen Innenstadt. Ich habe noch von Ramadi einen 10k Auflade Gutschein für Zain, den ich für 13k IQD gekauft habe. Bei einem Händler für Geldwechsel und SimKarten zeige ich es ihm und er bietet mir direkt 10k IQD an. Ich hätte erst erwartet, dass die Händler meine Lage ausnutzen und sagen, dass es für mich wertlos ist oder mir einen sehr niedrigen Gegenwert anbieten. Meine Schmerzgrenze wäre auch bei 8k IQD gelegen. Ich nehme das Angebot gerne an und bedanke mich bei ihm für die einfache Abwicklung.

Für 10k IQD kaufe ich mir eine Tee Mischung von 100g. 100g Tee klingt nach nicht viel, aber es ist eine halbe Plastiktüte voll. Die reicht sicherlich ein paar Monate lang.

Ich finde auch wieder die Herrenausstatter, dieses Jahr zeigt man Muster.

Auf dem Heimweg kaufe ich noch 5 Eier für 1k IQD, was ich recht teuer empfand und wieder 17l trink Wasser, das ich zum Grössten Teil gleich in leere Flaschen umfülle.

Ich bemerke, dass mein Wassertank fast leer ist. Morgen muss ich auffüllen gehen. Vermutlich da wo ich letztes Jahr schon stand. Da kann man auch gut duschen, wenn keiner sonst da ist was ich hoffe.

Zum Abschied gönne ich mir noch einen KohlenFisch.

Das sind Karpfen auf dem Holzkohlegrill. Mein Fisch hat 2.1kg und kommt mit reichlich Brot und Gemüse für 25k IQD/15,55€ oder standart Museum Besuch.

Sobald ich in Rosali bin mache ich die Heizung an. Eigentlich dachte ich die Gasflasche ist leer, aber anscheinend hab ich mehr gefüllt als ich angenommen hatte.

Ich bekomme noch Besuch von zwei Iraki Deutschen, die natürlich mit ihrer Kamera Rosali von aussen und innen aufnehmen.

Die Nacht war mit 10°C, dank Rosalis Heizungen sehr warm. Am morgen gibts einen Kaffee und dann geht’s los.

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Erbil, Parkplatz Shanadar Park

Heute sind es etwas mehr als 100km zum fahren und es geht in die Hauptstadt der Kurden im Irak: Erbil.

In einem Tunnel an der Autobahn steht ein Esel. Ich sehe den Esel erst im letzten Augenblick. Keine Ahnung ob der Esel noch am Abend lebt?!

Auf dem Weg gibt es einen Denkmal mit 3 Panzern an denen wir Halt machen.

Ich darf mich sogar auf einen Panzer draufsetzen. Der Wachsoldat ist wirklich sehr nett.

Der Verkehr wird zäher, die Irakis schaffen es an Ampeln aus 3 Spuren 6 Spuren zu machen.

Zum Teil parken Autos in der zweiten Reihe. Besonders ein Russischer Diplomatenwagen fällt mir auf, den da muss ich am Aussenspiegel ganz genau aufpassen, dass alles dran bleibt.

Aber wir er reichen den Parkplatz ohne Probleme und der Parkplatz selber ist nur zu 10% gefüllt. Es gibt sehr viel Parkplätze für uns. Nebenan ist ein Park, aber ohne Wasser.

Ich gehe in die Stadt und schaue mir die Stadtfestung an.

Wir finden ein leckeres Restaurant für 7000Dinar, was 4,14€ sind.

Der Rest des Tages laufe ich ziellos im Basar spazieren und nehme Farben, Gerüche und Laute war 😉

Abends ist noch etwas Betrieb, aber gegen 22Uhr wird es ruhiger und kühler, Zeit für Rosali.

Die Nacht war gut. Heute trennen Berti und ich mich, Berti ist seit 2 Tagen Krank und hat Angst nicht mehr in die Türkei gelassen zu werden, deshalb fährt er heute direkt durch.

Gegenüber ist ein Park, aber anders wie bei uns hat der Park nur einen Eingang, also einfach mal durch gehen geht nicht. Hier ist auch ein Model der Burg im kleinen Maßstab abgebildet.

Heute ist Donnerstag und leider niemand in der Iranischen Botschaft. Erst am Sa um 800 ist die Botschaft wieder besetzt.

Die Strassenläden sind nach Berufsgruppen angeordnet. Hier sind Schreiner und Türmacher beieinander.

Es gibt hier viele Schuhputzer und meine Schuh sind nicht die Saubersten.

Hier setzt man sich nicht zum Schuhe putzen, sondern man zieht die Schuhe aus, bekommt Badelatschen. Normalerweise geht man jetzt Geschäfte erledigen und kommt zu seinen wohl gereinigten Schuhen zurück. Ich erfreue mich natürlich an der fremden Arbeitstätigkeit und schaue gebannt jedem Handgriff zu.

Erst wird der Staub feucht abgewischt, dann wird mit einem Messer bräunlich rötliche Schuhcreme aufgetragen und mit einer Bürste verteilt.

Der Schuhputzer merkt auch sofort, dass ich einen schwarzen Fleck auf dem rechten Schuh habe und versucht es mit dem Messer erfolglos abzukratzen. Leider ignoriert der gute Mann mein Stoffeinsatz am Schuhhals 😦 Dafür sieht er sofort, dass eine Schuhnaht offen ist und entfernt die Fäden mit einer Nagelschere. Auch die Sohlenränder werden mit einer Creme gleichmäßig eingefärbt. Zum Schluss fragt er noch ob ’schaini?‘ – ich nicke und der Schuhputzer zieht mit einem Lappen die Spitze des Schuhes ab. Die Spitze des Schuhes glänzt tatsächlich, aber wirklich nur die Spitze.

Zum Anziehen wird mir ein Schuhlöffel gereicht, wow – den Service hatte ich schon lange nicht mehr 😉

Die Arbeit ist mehr auf den schönen Schein, als auf die Sauberkeit und pflege des Schuhes gerichtet. Ich habe keine Ahnung was es kostet, da wie überall keine Preise aushängen. Ich gebe ihm 2000 Dinar, was 1,18€ sind. Da dreht sich der Schweizerkapitalist im Grabe um, ich hingehen finde es angemessen. Hätte er nicht meinen blauen textil Schuhhals mit Braun eingeschmiert, würde ich sogar öfter hingehen.

Die Süßspeisen Händler haben manchmal extreme Preise, also extrem ist für mich schon 1000 Dinar, was 60Cent sind 😉

Die Fische sind alle noch sehr lebendig auf dem Tisch 😉

Sobald es dunkel wird, schließen auch die Läden.

Abends kommt noch der Polizist vorbei und unterhält sich mit mir. Solange man draußen auf dem Parkplatz sitzt oder die Tür offen hat kommen immer wieder Passanten vorbei, machen Fotos oder wollen Rosali sehen.

Heute ist Freitag, das heißt Wochenende. Ich beschließe heute etwas zu relaxen. Der Hunger treibt mich aber gegen 15Uhr in die Stadt.

Es gibt einige verfallene Backsteine Häuser, vermutlich Erdbeben?

Ich genieße erst mal die lokale Küche.

Abendstimmung in Erbil

Da heute der vermutlich letzte Tag hier in Erbil ist, nehme ich auch die Möglichkeit war mit der Seilbahn zu fahren.

Dieses Wochenende sind Wahlen, heute hat das Militär gewählt und bis zum Sonntag darf jeder wählen gehen. Wahlen sind immer ein Risiko, da möchte ich nicht unbedingt in der Kurdischen Hauptstadt sein.

Die Nacht war so lala. Ein Moskito hat mich genervt. Irgend wann hab ich dann meinen blau beleuchteten Tennisschläger hervorgeholt. Aber da lagen am Morgen leider nur Nachtfalter.

Um 7 ist die Nacht vor bei. Aufstehen anziehen, Kaffee und los zur Botschaft, den Weg kenne ich ja schon.

So richtig -will- versteht der gute Mann mich nicht. Er meint das Visum im Screenshot sei gut und gültig.

Dass die Passnummer zum zweiten Pass gehört, fällt ihm nicht ein und ich stoße ihn auch nicht drauf an.

Auf dem Weg zurück zu Rosali geht mir viel durch den Kopf. Hier möchte ich nicht mehr bleiben, die Leute bringen mir schon kleine Kinder, die ich untersuchen soll und Flüchtlingen Schreiben für Deutschland auf setzten soll. Das Selfie zeug ist ja ganz witzig, aber wenn an Rosali geklopft wird um Fotos zu schießen, geht’s mir doch zu weit.

Ich kann ja nicht viel verlieren, die Grenze ist zweieinhalb Stunden entfernt.